Zwei Hebel, eine Rechnung: Warum ein fairer Physiotherapie-Tarif Struktur und Taxpunktwert braucht
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Wie entsteht der Umsatz einer Physiotherapie-Praxis bei Behandlungen nach KVG? Nicht aus einer Zahl, sondern aus einem Produkt:

Das ist keine Meinung, sondern die offizielle Rechnungslogik. Die Taxpunkte stammen aus der gesamtschweizerisch einheitlichen Tarifstruktur; sie legen fest, welche Leistung wie viele Punkte wert ist. Der Taxpunktwert übersetzt diese Punkte in Franken. Multipliziert ergibt beides den Preis einer Behandlung. Das Bundesamt für Gesundheit und Gesundheitsdirektorenkonferenz beschreiben es genau so.
Zwei Ebenen, zwei Zuständigkeiten – das stimmt
Die beiden Faktoren werden auf unterschiedlichen Ebenen festgelegt. Die Tarifstruktur wird national zwischen den Tarifpartnern verhandelt und vom Bundesrat genehmigt. Der am 2. April 2026 eingereichte Entwurf – der Wechsel vom Pauschal- zum Einzelleistungstarif, abgerechnet in Fünf-Minuten-Einheiten – ist genau eine solche nationale Struktur.
Der Taxpunktwert dagegen wird kantonal ausgehandelt und von den kantonalen Behörden genehmigt oder festgesetzt.
Ein Argument, das derzeit kursiert, macht daraus einen Einwand: Struktur und Taxpunktwert seien zwei getrennte Verfahren, man dürfe sie nicht vermischen, also solle man sich auf den kantonalen Taxpunktwert konzentrieren. Der Bundesrat habe mit dem Wert ohnehin nichts zu tun.
Der prozessuale Teil dieser Aussage ist korrekt. Nur trägt er die Schlussfolgerung nicht.
Warum die Trennung das Problem nicht löst
Erstens: Es ist eine Multiplikation. Wer die Zahl der Taxpunkte pro Behandlung senkt, kann das über den Taxpunktwert nur teilweise ausgleichen. Und dieser Ausgleich müsste in 26 Kantonen gleichzeitig und dauerhaft nach oben zeigen – gegen den permanenten Kostendruck im System. Das ist kein Automatismus, sondern eine Hoffnung.
Zweitens: Kostenneutral ist nicht dasselbe wie sachgerecht. Der Wechsel des Tarifmodells musste nach Art. 59c KVV kostenneutral sein – ein Modellwechsel darf keine Mehrkosten verursachen. Diese Vorgabe ist erfüllt. Sie verlangt aber ausdrücklich keine Verbesserung; ein Wechsel darf auch eine Reduktion enthalten. Genau das ist hier passiert.
Daneben steht jedoch das Wirtschaftlichkeits- und Sachgerechtigkeitsgebot nach Art. 43 Abs. 4 KVG:
«Dabei ist auf eine betriebswirtschaftliche Bemessung und eine sachgerechte Struktur der Tarife zu achten.»
«Die Tarife und Preise orientieren sich an der Entschädigung jener Leistungserbringer, welche die tarifierte obligatorisch versicherte Leistung in der notwendigen Qualität effizient und günstig erbringen.»
Eine Struktur, die nach den Berechnungen von Amacker & Amacker (2026) und der Einschätzung vieler befragten Praxen die grosse Mehrheit in existenzbedrohende Mindereinnahmen führt, ist nicht betriebswirtschaftlich bemessen und nicht sachgerecht. Und eine unsachgerechte Struktur wird durch keinen noch so fairen Taxpunktwert nachträglich sachgerecht. Der Wert kann eine gute Struktur angemessen entlöhnen – er kann eine zu tief kalibrierte Struktur nicht reparieren.

Was #Physio140 wirklich fordert
Hier liegt das Missverständnis. #Physio140 verwechselt die Verfahren nicht. 140 Franken Bruttoumsatz pro produktiver Stunde ist ein Ergebnis, kein Verfahren. Ein faires Ergebnis setzt beide Faktoren der Rechnung voraus – eine sachgerechte Struktur beim Bund und einen angemessenen Wert in den Kantonen. Beides bei der jeweils richtigen Instanz eingefordert.
Wer umgekehrt eine kostenneutrale Struktur mitträgt, die den Kostenrahmen deckelt, und dann allein auf den kantonalen Taxpunktwert setzt, betreibt in Wahrheit genau die Vermischung, die er anderen vorwirft: Er versucht, eine strukturelle Schieflage über den Wert auszugleichen. Das ist der schwächere Weg - langsamer, fragmentiert und ohne Garantie.
Unsere Haltung
Wir teilen das Ziel eines fairen Taxpunktwerts vollständig. Aber sich nur auf den Taxpunktwert zu konzentrieren, reichen nicht. Die Vergütung ist ein Produkt aus zwei Faktoren - und stimmen muss die Rechnung, nicht nur eine ihrer Zahlen.
Deshalb braucht es beide Hebel, gleichzeitig: strukturelle Korrektur und angemessener Wert. Alles andere lässt einen der beiden Faktoren gegen die Praxen und damit gegen die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung arbeiten.
Jetzt Petition unterschreiben: faire-physio-tarife.ch/#petition

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