Wir fordern Transparenz. Jetzt.
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Ein offener Brief an Physioswiss – und was dahintersteckt.

Die neue KVG-Tarifstruktur ist eingereicht. Die Branche weiss (fast) noch nichts.
Am 2. April 2026 haben Physioswiss, H+ und prio.swiss die neue Tarifstruktur für physiotherapeutische Leistungen im KVG-Bereich beim Bundesrat eingereicht. Nach rund 30 Jahren Stillstand ist das grundsätzlich ein positives Signal.
Aber: Die Inhalte sind nicht öffentlich. Eine Veröffentlichung ist frühestens für Mitte Juni 2026 geplant, das Inkrafttreten frühestens per 1. Januar 2027.
Das bedeutet: Ein Systemwechsel von historischer Tragweite läuft – und wir als Physiotherapie-Unternehmer wissen nicht sicher, was auf uns zukommt.
Das akzeptieren wir nicht.
Update vom 24.04.2026: Über den Kantonalverband Zürich wurden erste Inhalte kommuniziert – und diese deuten auf den Worst Case hin. Was das konkret bedeutet, zeigen unsere Szenarien weiter unten.
Was auf dem Spiel steht
swissODP vertritt Unternehmerinnen und Unternehmer der Schweizer Physiotherapie. Sie beschäftigen Mitarbeitende, tragen Verantwortung für Löhne, Mieten, Infrastruktur.
Für sie stellen sich jetzt existenzielle Fragen:
Welche Leistungen werden wie vergütet?
Welche Positionen fallen weg?
Sind Gruppentherapie und administrative Leistungen noch abbildbar?
Ist die Domizilbehandlung wirtschaftlich noch tragbar?
Reicht die Vergütung, um den Betrieb weiterführen zu können?
Diese Fragen lassen sich ohne Kenntnis der Tarifstruktur nicht beantworten. Und ohne Antworten lässt sich nicht planen.
«Kostenneutral» – was das wirklich bedeutet
Ein Wort aus der offiziellen Kommunikation sollte bei jedem Praxisinhaber die Alarmglocken schrillen lassen: kostenneutral.
Die neue Tarifstruktur ist gesetzlich kostenneutral ausgestaltet.
Das bedeutet: Der Kuchen wird nicht grösser – er wird nur anders verteilt. Was eine Position gewinnt, verliert eine andere.
Eine reale Einkommensverbesserung ist ausschliesslich über den Taxpunktwert möglich. Dieser wird jedoch separat und auf Kantonsebene verhandelt – und die entsprechenden Festsetzungsverfahren laufen seit November 2025, ohne absehbares Ergebnis.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur: Wie sieht die neue Struktur aus?
Sondern: Kommt der Taxpunktwert – und wann?
Unsere Szenarien
swissODP hat auf Basis der öffentlich zugänglichen Informationen – insbesondere der UVG-Tarifstruktur als voraussichtlichem Referenzmodell – drei Szenarien durchgespielt.

Die Konsequenzen des Worst Case wären gravierend:
Praxisschliessungen – insbesondere bei kleineren und spezialisierten Betrieben
Rückzug aus der mobilen Physiotherapie – Betagte und immobile Patientinnen und Patienten verlieren Versorgung im häuslichen Umfeld
Mengenausweitung als Kompensationsstrategie – kontraproduktiv für das Gesamtsystem
Ausweichen in Privatzahler-Modelle – Grundversorgung verliert Kapazität
Das vollständige Szenario-Papier steht als Download zur Verfügung (siehe unten).
Was wir jetzt tun
swissODP hat heute einen offenen Brief an Physioswiss versendet.
Wir fordern die Offenlegung der wesentlichen Inhalte des neuen KVG-Tarifvertrags – bis spätestens 29. April 2026.
Konkret wollen wir wissen:
Welche Leistungspositionen sind enthalten – welche entfallen?
Welche Taxpunktmengen sind den Kernpositionen zugeordnet?
Wie werden administrative und koordinative Leistungen abgebildet?
Wie ist die Wegentschädigung für Domizilbehandlungen geregelt?
Welche Schritte unternimmt Physioswiss zur gleichzeitigen Anpassung der Taxpunktwerte?
Wir warten nicht bis Juni. Selbstständige Physio-Unternehmerinnen und -Unternehmer können sich das nicht leisten.
Was passiert, wenn keine Offenlegung erfolgt?
Sollte Physioswiss bis zum 29. April 2026 keine Antwort liefern, werden wir die uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten einleiten:
Formelle Einsichtsgesuche gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ) beim BAG
Koordinierte rechtliche Schritte gemeinsam mit Partnerpraxen
Weitergabe unserer Szenarien und Risikoeinschätzungen an politische Entscheidungsträger
Das ist kein Angriff auf Physioswiss. Wir anerkennen die Arbeit der vergangenen zwei Jahre. Aber: Transparenz gegenüber der betroffenen Branche ist keine Option – sie ist eine Pflicht.
Fazit
Die Tarifstruktur ist eingereicht. Die entscheidende Phase beginnt jetzt.
Wir als swissODP werden diese Phase nicht abwarten. Wir werden sie aktiv mitgestalten – im Interesse unserer Partnerpraxen, unserer Mitarbeitenden und unserer Patienten.
👉 Den offenen Brief und das Szenario-Papier findest du als Download unten.
👉 Hast du Fragen oder Rückmeldungen? Meld dich direkt bei uns: info@swissodp.ch
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