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CHF 88 pro Stunde. Brutto. Vor Kosten.

  • 7. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Mai

Was Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten verdienen – und was das im Vergleich bedeutet.


Kosten steigen, Bezahlung sinkt

Es gibt eine Zahl, die in der aktuellen Tarifdebatte kaum vorkommt. Nicht weil sie unwichtig wäre – sondern weil sie unbequem ist.


CHF 88 pro Stunde.


Das ist der Bruttoumsatz, den eine Physiotherapiepraxis ab 2027 für eine Stunde Einzelbehandlung im KVG-Bereich generiert – bei einem durchschnittlichen Taxpunktwert von CHF 1.00. Nicht Gewinn. Die CHF 88 pro Stunde sind nicht Nettolohn. Denn damit müssen Miete, Löhne, Sozialleistungen, Weiterbildungen, Infrastruktur und Administration bezahlt werden.


Mit den aktuellen Tarifen liegt dieser Wert heute bei rund CHF 96 pro Stunde. Auch das ist, gemessen an den tatsächlichen Kosten, knapp. Aber es reichte – gerade noch.

Ab 2027 reicht es so in vielen Praxen nicht mehr.



Was andere verdienen – ein Vergleich


Physiotherapie ist kein einfacher Beruf. Es braucht ein Studium, regelmässige Weiterbildungen, ein hohes Mass an körperlicher und mentaler Präsenz sowie Verantwortung für die Gesundheit von Menschen. Und trotzdem:

Die Ergotherapie als vergleichbarer Gesundheitsberuf mit ähnlichen Ausbildungsanforderungen, aber meist kürzerer Studiendauer von 3 anstelle 4 Jahren, rechnet seit 2005 mit einem Taxpunktwert von CHF 1.10. Das ergibt einen Stundenumsatz von CHF 105.60 – knapp 20% mehr als die Physiotherapie ab 2027.


Stundenlohn Physiotherapie im Vergleich


Bei Domizilbehandlungen ist der Unterschied noch krasser:

Während eine ergotherapeutische Heimbehandlung mit rund CHF 88–93 pro Stunde vergütet wird, liegt die neue physiotherapeutische Domizilvergütung ab 2027 je nach Wegstrecke bei CHF 60 bis 70. Ein Unterschied von über 40%.



Der Taxpunktwert: Eine Hoffnung mit grossen Unsicherheiten


Oft wird mit einer Taxpunktwert-Erhöhung argumentiert: Ja, der Taxpunktwert bleibt ein zentraler Faktor für die wirtschaftliche Zukunft vieler Physiotherapiepraxen. Eine Erhöhung könnte einen Teil der bestehenden Probleme abfedern. Gleichzeitig braucht es jedoch Realismus: Ob überhaupt ein ausreichend hoher Taxpunktwert festgesetzt wird, ist derzeit fragwürdig. Ebenso unklar ist, wann eine rechtskräftige Festsetzung erfolgen würde.


Die gesundheitspolitische Realität: Eine Erhöhung in einer Grössenordnung, welche die strukturellen wirtschaftlichen Probleme vieler Praxen tatsächlich ausgleichen würde, erscheint im aktuellen politischen Umfeld wenig wahrscheinlich.


Damit bleibt der Taxpunktwert zwar eine Hoffnung – aber eine mit erheblichen Unsicherheiten.



Was als nächstes kommt


CHF 88 reicht nicht. Das ist keine Meinung. Das ist Mathematik.

Was swissODP konkret fordert und welche Schritte wir bereits eingeleitet haben erfährst du in den folgenden Beiträgen.


Quellen: Die angegebenen Stundensätze für abrechenbare Leistungen (z.B. Physiotherapie & Ergotherapie) ergeben sich aus den geltenden Tarifen, weitere Stundensätze aus einer Analyse aktueller Angebot auf dem Schweizer Gesundheitsmarkt.

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